„Es wurden Arbeiter gerufen
Doch es kamen Menschen an
Solange es viel Arbeit gab
Gab man die Drecksarbeit uns ab
Doch dann als die große Krise kam
Sagte man, wir sind Schuld daran“
– Cem Karaca, 1984: „Es kamen Menschen an“

Am 04. Oktober 1994 begann die „Serie II“ des rechtsextremen Briefbombenterrors.
Alle vier Briefbomben konnten rechtzeitig entschärft werden und keine Menschen wurden verletzt. Eine der Bomben war an das Gastarbeiterreferat der Diözese Feldkirch adressiert. Als sogenannte Gastarbeiter*innen kamen vor allem ab den 1960er Jahren hunderttausende Menschen nach Österreich, die im Ausland als Arbeitskräfte für den Niedriglohnsektor angeworben worden waren. Die Geschichte der Arbeitsmigration, vorrangig aus der Türkei und Jugoslawien, ist eine Geschichte der Ausbeutung – und auch eine Geschichte des Rassismus.
Die Briefbombe an das Gastarbeiterreferat der Diözese Feldkirch ist deshalb nicht als Terroranschlag gegen ein Organ der Katholischen Kirche zu verstehen, sondern als Ausdruck eines spezifischen Rassismus dieser Zeit. Menschen, die als sogenannte Gastarbeiter*innen nach Österreich kamen, wurden immer wieder Ziel von rassistischen Anfeindungen und rechter Gewalt. 1997 fand diese Gewalt einen Höhepunkt: der aus dem heutigen Nordmazedonien stammende Arbeiter Sukri Arifi wurde bei einem Brandanschlag auf sein Wohnhaus in Wels ermordet. Ein Neonazi hatte das Haus in Brand gesteckt, das ausschließlich von Arbeitsmigrant*innen bewohnt war.
2004 hat sich die Initiative Minderheiten gemeinsamen mit dem Wien Museum ausführlich mit der Geschichte der Arbeitsmigration nach Österreich beschäftigt. Ein Teil der Ergebnisse dieser Arbeit sind in der Dauerausstellung des Wien Museums am Karlsplatz zu finden.
